Mein Name ist Jochen Zellner und ich arbeite seit dem 3. September 2009 als Englischlehrer für körperlich Behinderte in der Father Ray Foundation in Pattaya. Ich bin einer von 24 Freiwilligen hier, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Father Ray’s Lebenswerk weiterzuführen. Wir arbeiten in sechs verschiedenen Einrich-tungen mit über 850 sozial und körperlich benachteiligten Kindern und jungen Erwachsenen.

Die Schule, in der ich täglich unterrichte, hat über 270 gehandicapte Schüler, die hier ihre Schul- und Freizeit verbringen. Viele unserer Schüler sind erfolgreiche Sportler. Einige davon sind sogar Teil des Thai ParaOlympics Teams. Letzten Monat gewannen unsere Schüler bei den nationalen Sportmeisterschaften 31 Gold-, 25 Silber- und 18 Bronzemedaillen und einer davon ist der zweitbeste Badminton-Spieler der Welt und der amtierende „Champion of all Asia“.
Neben den Projekten für körperlich Behinderte ist die Arbeit mit ausgestoßenen und gesellschaftlich unakzeptierten Menschen seit mehr als 30 Jahren ein fester Bestand-teil unserer Arbeit, was uns zu dem Beginn von etwas ganz großem bringt: In den 70er Jahren gab eine verzweifelte Frau ihr Kind in die Hände eines irisch-amerikanischen Missionars namens Father Ray Brennan. Er versprach ihr, für das Kind zu sorgen. Dies inspirierte ihn und er beschloss zu handeln. Dies war der Beginn einer Ära, die das Leben vieler perspektivloser Menschen in ganz Thailand veränderte und nach wie vor verändert. Father Ray eröffnete ein Waisenhaus, eine Einrichtung für Blinde und Taube sowie ein Altenheim für Senioren mit Behinderung.
Heutzutage sind die Einrichtungen der Father Ray Foundation in ganz Pattaya verteilt:
Ein unabhängiges Wohnen für körperlich Behinderte, ein Kinderheim für Waisen-kinder, das Drop-In-Center für Strassenkinder, eine Kindertagesstätte für Kinder im Alter von 2 bis 6 Jahren sowie ein Job-Center, welches den Schulabgängern der Father Ray Vocational School die Möglichkeit gibt, sich individuell fortzubilden.
Mehr als 250 Mitarbeiter und 24 Freiwillige aus aller Welt kümmern sich um das Wohlergehen dieser Menschen. Unsere Hauptbeschäftigung ist der tägliche Englisch-Unterricht in der Vocational School. In unserer Freizeit greifen wir den Betreuern der Kindertagesstätte so gut wir können unter die Arme. Jeden Morgen gehen wir mit unseren Senioren, die im Rollstuhl sitzen, auf unserem idyllischen Gelände spazieren oder laden sie zu einem Kaffee oder einer Cola in einem netten Lokal ein.
Day-Care-CenterDie Jüngsten, um die wir uns kümmern, sind die Kinder im Day-Care-Center. Vier Volunteers sind hier jeden Tag zur Unterstützung der fest angestellten Erzieherinnen zum Dienst eingeteilt. Die Kinder im Alter von 2 bis 6 Jahren kommen aus den ärmsten Verhältnissen und werden hier von morgens 8:00 bis 16:00 liebevoll betreut. Die Hilfe der Frewilligen ist dringend notwendig, denn es gibt viel zu tun. Die Kinder müssen gebadet werden und sie brauchen Hilfe beim Essen sowie beim Einschlafen. Und natürlich wollen sie sich auch austoben und rumalbern. Obwohl die Kids und deren Eltern so gut wie keinen Besitz haben, strahlen die Kleinen eine Zufriedenheit und Liebe aus, die ansteckend ist.
Wir unterrichten in der Kindertagesstätte zwei bis drei Mal die Woche Englisch, um hier eine gute Voraussetzung für die spätere Schulbildung zu schaffen, welche einem Leben in Armut entgegensteuert.
Drop-In-CenterDas Drop-In-Center steht bei uns im Kampf gegen die Obdachlosigkeit von Kindern an oberster Stelle. Aufgrund eines gescheiterten Familienlebens landen viele Kinder auf den Straßen der Partystadt Pattaya. Das Leben ist sehr hart und aussichtslos.
Um Überleben zu können müssen die Kinder oftmals ihren Körper verkaufen oder sie verkaufen Drogen. Mit durchgehenden Öffnungszeiten bieten wir ihnen den perfekten Zufluchtsort, wo sie neben einem sicheren Schlafplatz und einer warmen Mahlzeit auch eine individuelle Betreuung erhalten. Die Volunteers besuchen das Drop-In-Center einmal die Woche, um mit den Kindern zu spielen und sie von ihren schrecklichen Erfahrungen abzulenken. Doch nicht jedes Kind bleibt hier für immer. Viele kommen nur gelegentlich ins Drop-In-Center und kehren dann wieder auf die Straße zurück - wie ich mit einigen anderen Volunteers schon mit eigenen Augen gesehen habe - um Geld zu verdienen. Das ist ein erschreckender und schockierender Anblick und motiviert mich nur noch stärker hier eine gute Arbeit zu leisten und zusammen mit den anderen, die Kinder davon zu überzeugen, dem Nachtleben den Rücken zu kehren.
Das Heim für Strassenkinder (HFSK)Haben die Kinder im Drop-In-Center den Entschluss gefasst, ihr Leben zu verändern, bieten wir ihnen die Gelegenheit, im Heim für Straßenkinder zu leben. Hier werden sie auch unterrichtet und die Möglichkeiten für die Kinder im Alter von 6 bis 16 sind beispielslos groß. Wir unterrichten die Kinder in dem was sie interessiert und sogleich auch eine Zukunft bietet. Jeden Samstag besuchen neun Volunteers das HFSK um in drei Klassen Englisch zu unterrichten. Hier wird niemand gezwungen zu kommen und dennoch ist das Interesse und die Resonanz für diesen Englisch-unterricht unermesslich groß. Trotz der Sprach- und Kulturbarriere kommen wir alle sehr gut miteinander aus. Ich sehe mich hier weniger als Lehrer sondern mehr als Freund und Wegbeschreiter in eine gute Zukunft. Es ist ein ständiges Geben und Nehmen: wir unterrichten die Kinder in Englisch und können dabei auch das ein oder andere Wort Thai aufschnappen. Ich versuche, in meiner Klasse durch abwechslungs-reichen, spannenden und lustigen Unterricht das Interesse der Kinder verstärkt zu wecken und sie dazu zu bringen, am Ball zu bleiben.
Children’s VillageEines unserer jüngsten Projekte ist das Children’s Village: ein kleines Dorf in einem abgelegenen und ruhigen Stadtteil Pattayas. Wir haben derzeit vier Häuser, in denen jeweils acht Kinder mit einer Ersatzmutter und –tante leben. Vier weitere Häuser sind im Bau. Die Kinder, um die wir uns jeden Samstag für zwei Stunden kümmern, sind Waisen oder wurden von ihren Eltern verstoßen. Doch trotz alledem strotzen sie voll Zufriedenheit und Lebensgeist. Ein besonderes Erlebnis ist knapp zwei Wochen her: Als ich mich von den Kindern verabschiedete, hat mich ein kleines Mädchen ganz fest gedrückt und mir einen Kuss auf die Backe gegeben. Es war ein sehr bewegender Augenblick für mich und ich war den Tränen nahe.
Vocational SchoolDie Vocational School ist eine Schule für körperlich Behinderte und befindet sich mitten auf dem Gelände der Father Ray Foundation in Pattaya. Der Englischunterricht ist für mich und viele andere Freiwillige die Hauptbeschäftigung. An fünf Tagen in der Woche unterrichten wir in verschiedenen Klassentypen: von sehr englischlastigem CBE (Computer & Business English) bis zu PE (Personal Empowerment), welches sich mehr auf das Reparieren von Elektrogeräten konzentriert. Letztes Halbjahr war ich Lehrer einer CBE 3 Klasse und war erstaunt über ihre teilweise sehr guten Englischkenntnisse. Mit ihren Fragen haben sie mich auch das ein oder andere Mal ins Grübeln gebracht. Seit nunmehr zwei Wochen unterrichte ich eine PE 3-Klasse in Englisch. Der Unterschied dieser beiden dritten Klassen in ihren Englischkenntnissen ist immens. Doch eines haben alle Schüler gemeinsam: Ihren Wille zu lernen.
Ich konnte bereits nach einer Woche Aufenthalt in der Father Ray Foundation den Unterschied zwischen den Schulen in Deutschland und in Thailand feststellen. Wenn ich daran denke, wie die Lehrer in Deutschland teilweise von ihren Schülern, den Medien oder der Gesellschaft behandelt werden, kann man schon fast denken es wäre ein Schreckensjob. Doch hier ist alles anders: Die Schüler und alle Menschen hier begegnen sich mit höchstem Respekt und großer Freundlichkeit, auch mir gegenüber obwohl ich nicht aus Thailand komme und zum Teil um einiges jünger bin.
BlindenschuleDie für mich schlimmste Vorstellung ist, blind zu sein: nicht zu sehen was um mich herum passiert, ein Leben zu führen in totaler Dunkelheit. Für die Kinder in der Blindenschule ist dies der Alltag und es erfüllt mich mit Stolz, wenn ich sehe, wie diese Kinder mit ihrem Schicksal umgehen. Sie genießen unsere gemeinsamen Aktivitäten und selbes tun wir. Drei Mal die Woche besuchen wir unsere Schützlinge und unterrichten sie in Englisch, wir singen und tanzen mit ihnen oder gehen in dem hauseigenen Pool baden. Der Umgang mit Blinden war für mich eine völlig neue Erfahrung und ich bin dankbar, dass ich sie jede Woche neu erleben darf. Denn diese Kinder sind ein Vorbild für uns alle. Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken versuchen sie, das Beste aus ihrem Leben zu machen. Durch gezielten Unterricht und dem Erlernen der Blindenschrift, haben sie später ähnliche Voraussetzungen wie andere, um einen Job zu bekommen.
ConclusioFather Ray starb 2003 aber sein Lebenswerk wird fortgeführt. Zur Zeit sorgen wir für 850 Kinder und junge Erwachsene. Das bedeutet über 2.500 Mahlzeiten am Tag. Wir bieten den Kindern nährstoffreiches Essen, etwas bis dato völlig unbekanntes für sie. Trotz staatlicher Unterstützung müssen wir für den Großteil der Kosten selbst aufkommen. Über 75 Tonnen Reis pro Jahr plus Fisch und Fleisch sowie die Ausbildung der Schüler kosten uns mehr als 2,5 Millionen Euro.
Deshalb sind wir auf die Hilfe von Ihnen angewiesen. Wir möchten, dass Sie unsere Arbeit sehen. Tauchen sie ein in das Leben der Kinder und teilen sie ein Stück Ihrer Erfahrung. Wenn sie uns mit Ihrer Spende helfen, gleichgültig wie groß, können wir unseren Kindern eine Zukunft bieten, die sie verdienen.